Spurenanalytische-chemoökologische Analyse des Stehendbefalls der Buche, sowie Veränderungen bei der Holzlagerung

Die Untersuchungen des Instituts für Forstzoologie und Waldschutz fokussierten auf die spurenanalytische-chemoökologische Analyse des Stehend- und Liegendbefalls der Buche, sowie auf Veränderungen bei der Holzlagerung. Wesentlicher Bestandteil war die Überprüfung des status quo und der Veränderungen des Duftstoffspektrums des Buchenholzes als Grundlage für eine verstärkte Disposition für den Befall mit Lagerholzschädlingen.

Dazu wurden Duftstoffproben durch Stammabsaugkammern an stehenden befallenen sowie nicht befallenen Buchen und an liegenden Stämmen unterschiedlicher Lagerungszeit gesammelt. Darüber hinaus wurden Duftstoffproben von unterschiedlich stark zersetzten Rindenproben gewonnen. Die Analyse der Duftstoffproben mittels Kombination von gaschromatographischer Auftrennung, massenspektrometrischer Identifikation der Stoffe und zeitlich paralleler Erfassung des Elektroantennogramms mittels Insektenantenne ermöglicht die Zuordnung der Antennenreaktion zu einer bestimmten Substanz. Auf diese Weise konnten neun durch Trypodendron domesticum wahrnehmbare Substanzen identifiziert werden:

Möglicherweise sind diese Substanzen für die Wirtsfindung und Entscheidung über die Eignung als Brutraum von Bedeutung. Eine Aussage über das Verhalten, das diese Substanzen bzw. deren Kombinationsmuster auslösen, können jedoch nur Verhaltensversuche wie z.B. Fallenexperimente erbringen.

Die Ergebnisse des Lagerversuchs und der unterschiedlich stark zersetzten Rindenproben zeigen, dass eine starke zeitliche und kleinräumige Variabilität der Duftstoffe am Buchenstamm zu beobachten ist. Teilweise konnten diese Duftstoffe physiologischen Prozessen (z.B. Pilzbefall) zugeordnet werden. Die Attraktivität eines gefällten Buchenstammes hängt mehr vom „physiologischen Alter“ und der Abwehr gegen Mikroorganismen ab, als vom chronologischen Alter. Eine zeitlich genaue Vorhersage wann, vom Fälltermin gesehen, ein Buchenstamm attraktiv für Trypodendron domesticum wird, erscheint daher schwierig. Eine genauere Untersuchung derjenigen chemischen Prozesse, die attraktive Substanzen erzeugen, wäre vonnöten.

Die Duftstoffproben der stehenden befallenen und nicht befallenen Buchen weisen auf Symptome einer aktuellen oder überstandenen Stresssituation hin. Ein direkter Nachweis von auslösenden Substanzen des Stehendbefalls ließ sich nicht erbringen. Möglicherweise bedeutet die Gleichförmigkeit der Proben im Frühsommer 2004, dass ein Erholungseffekt eingetreten ist, der messbar ist. Zur Verifizierung dieser Hypothese müssten Zeitreihen der Hunsrückbuchen vor Ort, und Referenz-Zeitreihen (z.B. bei Göttingen) gemessen werden.

Die Evolution hat Trypodendron domesticum als Lagerholz-/Totholzinsekt mit sehr empfindlichen und spezifischen Fähigkeiten „ausgestattet“, geschwächte Buchen zu erkennen und als Lebens- und Brutraum zu nutzen. Weitere Kenntnisse über dessen Wirtsfindung weisen zielgerichtet auf Substanzen und chemische Prozesse hin, die eine unmittelbare funktionelle Reaktion auf die Ursachen der Erkrankung sind, und deren Erkennung ermöglichen können.