Ergebnisse des Käfermonitorings 2002 bis 2005 in der Interreg-Region

Das Monitoring potentieller Schadorganismen in den von der aktuellen Erkrankung besonders betroffenen luxemburgischen und rheinland-pfälzischen Buchenwäldern dient der Beobachtung der Populationsdynamik der an der Buchenerkrankung beteiligten Insektenarten und bildet damit die Grundlage eines präventiven Waldschutzmanagements.
Bereits 2002 wurde mit dem Aufbau eines grenzüberschreitenden Monitorings der potentiellen Schadorganismen begonnen. 2003 wurde dieses Monitoringnetz in der Programmregion weiter ausgebaut. Insgesamt wurden 2003, 2004 und 2005 in 33 unterschiedlich stark erkrankten Beständen Fallensysteme zur Überwachung holzbrütender Insekten eingesetzt. Dabei kamen drei Fallentypen zum Einsatz: Flaschenfallen mit Lockstoffdispensern, Flugfallen und Bodeneklektoren. Während mit den Flaschenfallen gezielt die Populationsdynamik des Laubnutzholzborkenkäfers beobachtet werden sollte, dienten die Flugfallen und Bodeneklektoren, in die keine Lockstoffe eingebracht wurden, zur Überwachung der restlichen flugaktiven Insekten respektive der im Boden überwinternden Insekten.
Bei den von J.-C. Grégoire (Universität Brüssel) entwickelten Flaschenfallen (s. Bild 1) handelt es sich um eine transparenten Fläche aus PVC von 25 x 12 cm, die in einen Sammeltrichter mündet, an dem zwei Fläschchen angeschraubt sind. Beide Fläschchen wurden mit denaturiertem Ethanol (94 % Ethanol / 3 % Äther) gefüllt. Während das eine Fläschchen als Fangbehälter dient, hat das andere die Funktion eines Lockstoffreservoirs. Als zusätzlicher Lockstoff wurde in der Mitte der PVC-Prallfläche ein Pheromondispenser mit Lineatin angebracht. Die Fallen wurden jeweils in Augenhöhe an einem Pfahl befestigt.
Die Aufstellung der Fallen erfolgte auf so genannten Fallenstandorten in Kreuzform (s. Abb. 1). Jeder Fallenstandort bestand aus fünf Flaschenfallen, die einen Kreuztrakt, bestehend aus zwei senkrecht zueinander stehenden, nach den Haupthimmelsrichtungen (Norden, Osten, Süden, Westen) orientierten Achsen, bildeten. Der Abstand der Fallen zum Mittelpunkt betrug jeweils rund 50 m. Jede Falle wurde mit ihrer Prallfläche nach außen hin gerichtet; die Falle im Mittelpunkt wurde nach Osten hin orientiert. Die Distanz zwischen zwei Fallenstandorten beträgt im Minimum 200 m, der Abstand der Fallenstandorte zur Bestandesgrenze im Minimum 25 m.
In Rheinland-Pfalz wurden 16 Fallenstandorte (Fallensterne) errichtet, jeweils vier in den Forstämtern Saarburg, Hochwald und Prüm, drei im Forstamt Bitburg und eine im Forstamt Kaiserslautern. Die Aufnahmeeinheit im Forstamt Kaiserslautern dient als Vergleichsfläche außerhalb der Programmregion. Die Mehrheit der Fallenstandorte liegt in Beständen, in denen das klassische Buchenrindensterben mehr oder weniger stark auftritt. „Primärer“ Käferbefall wurde hauptsächlich in den Beständen der Forstämter Saarburg und Hochwald im westlichen Hunsrück beobachtet.
Im Großherzogtum Luxemburg wurden insgesamt 17 Fallenstandorte in den nachfolgend aufgeführten Forstrevieren eingerichtet: 

Fallenstandort

Forstrevier

Höhe m ü. NN

Alter

1

Waldhof

400

140

2

Mersch-Quest

355

130

3

Saeul/Beckerich

365

100

4

Redange

395

100

5

Grousbous

430

90

6

Perlé

510

160

7

Perlé

500

160

8

Harlange

430

90

9

Harlange

405

90

10

Diekirch

335

140

11

Bastendorf

300

120

12

Clervaux

405

140

13

Hosingen

430

110

14

Hosingen

460

120

15

Wincrange

510

120

16

Canach

300

140

17

Wincrange

470

120

Die Fangperiode begann in allen drei Untersuchungsjahren jeweils am 14./15. Februar und endete am 20. Juni. An ausgewählten Fallenstandortenen wurde der Insektenfang über die Sommermonate hinweg  fortgesetzt.
Neben der eigentlichen Zielart, dem Laubnutzholzborkenkäfer Trypodendron domesticum, wurden auch andere Insektenarten in den Flaschenfallen gefangen. Dabei handelt es sich vor allem um die verwandten Arten Trypodendron lineatum (Nadelnutzholz-borkenkäfer) und Trypodendron signatum (Gestreifter Laubnutzholzborkenkäfer) sowie um Borkenkäfer anderer Gattungen und Unterfamilien. Dazu zählen auch der Ungleiche Holzbohrer (Anisandrus dispar) und der Schwarze Nutzholzborkenkäfer (Xylosandrus germanus), die ebenso wie Trypodendron domesticum und Trypodendron signatum Buchenholz befallen. Diese ebenfalls holzbrütenden Arten orientieren sich gleichermaßen an Alkoholemissionen zur Wirtsfindung. Dies gilt vermutlich auch für den Sägehörnigen Werftkäfer Hylocoetus dermestoides, der ebenfalls, wenn auch in geringem Umfang, in den Fängen vertreten ist. Daneben finden sich auch einige Borkenkäfer-Antagonisten, insbesondere Arten der Gattung Rhizophagus, in den Fängen. Diese Arten werden möglicherweise durch das Pheromon ihrer Beute respektive ebenfalls durch die Alkoholemissionen angelockt.

 


 

 

Flaschen-Falle nach Grégoire

Abb. 1: Aufnahmeeinheit des Monotoringsystems aus fünf Flaschen-Fallen in Kreuzform
 
 

Im Nachfolgenden soll ausschließlich auf die Fangergebnisse und den Flugverlauf von Trypodendron domesticum eingegangen werden. In der Abbildung 2 sind die durchschnittlichen Fangzahlen je Fallenstandort in Luxemburg und Rheinland-Pfalz für die Untersuchungsjahre 2002 bis 2005 dargestellt. Aufgrund des zahlenmäßig hohen Unterschiedes der Fangergebnisse in den Regionen Eifel und Hunsrück werden die Ergebnisse getrennt betrachtet. Im Vergleich der Untersuchungsjahre ist von 2002 zu 2003 eine deutliche Abnahme und von 2003 zu 2004 wiederum eine sehr deutliche Zunahme der Fangzahlen festzustellen. Von 2004 zu 2005 nahmen die Fangzahlen dann wiederum deutlich ab. 2002 wurden im westlichen Hunsrück und in Luxemburg mit im Durchschnitt 16.300 und 17.800 Käfern je Fallenstandort nahezu identische Fangzahlen erreicht. Dagegen betrug die durchschnittliche Fangzahl in der Eifel nur 2.700 Käfer. 2003 war die Fangzahl in der Eifel wiederum am Geringsten, allerdings wurden auch in Luxemburg und im westlichen Hunsrück deutlich weniger Käfer gefangen. 2004 bestätigte sich dieser abnehmende Trend nicht, vielmehr stiegen die Fangzahlen deutlich an und erreichten im Hunsrück nahezu das Niveau des Jahres 2002 bzw. überstiegen dieses in der Eifel um das Dreifache. In Luxemburg konnte ebenfalls ein Anstieg beobachtet werden, dieser war allerdings weniger stark ausgeprägt als in den beiden anderen Regionen. Im Unterschied zum Fangergebnis 2002 bei dem auf einzelnen Fallenstandorten sehr hohe bzw. sehr niedrige Fangergebnisse erzielt wurden, ist das Fangergebnis 2004 deutlich homogener.
Der starke Anstieg der Fangzahlen von 2003 auf 2004 verdeutlicht die Anpassungsfähigkeit der Art, die offensichtlich aus der Retrogradation sofort wieder in eine Progradation eintreten kann. Die günstigen Witterungsbedingungen des Extremjahres 2003 konnte Trypodendron domesticum für einen Populationsdichteanstieg nutzen, der in den Fangergebnissen 2004 zum Ausdruck kommt.
 

 

Abb. 2: Durchschnittliche Anzahl gefangener Individuen von Trypodendron domesticum an den 32 Fallenstandorten in der Programmregion, dargestellt für die Regionen Luxemburg, Hunsrück und Eifel in den Beobachtungsjahren 2002 – 2005 (Die Fangergebnisse 2004 der Region Luxemburg liegen noch nicht vor). Fangergebnisse 2002 nur bedingt vergleichbar, da im Hunsrück und in der Eifel Fallenstandorte aufgegeben bzw. neu eingerichtet wurden. Eingeklammerte Zahlen in der Legende geben die Anzahl der Fallenstandorte 2002 an.
 

Der Flugverlauf von Trypodendron domesticum in den Fangperioden 2002 bis 2005 ist in den Abbildung 3 dargestellt. In allen Jahren ist er durch drei lokale Maxima gekennzeichnet. Das erste Maxima markiert den Flugbeginn. Das zweite Maxima ergibt sich regelmäßig durch ungünstige Witterungsbedingungen, die den Flug unterbrechen und kann als Fortsetzung des ersten Maximums verstanden werden. Das dritte Maximum das jeweils Ende Mai/Anfang Juni beobachtet wurde und teilweise sogar die vorangegangenen Maxima übertraf, ist mit der bekannten Biologie des Frühschwärmers Trypodendron domesticum nur schwer zu erklären. Mögliche Erklärungen könnten die Anlage von Folgebruten, eine zweite Generation oder ein hoher Anteil von Spätschwärmern in der jeweiligen Population sein.

Abb. 3: Verlauf des Käferflugs von Trypodendron domesticum in Luxemburg und Rheinland-Pfalz in den Untersuchungsjahren 2002 -2005.
 

Betrachtet man den Flugverlauf an den einzelnen Fallenstandorten innerhalb eines Jahres so wird deutlich, dass die Maxima je nach Fallenstandort unterschiedlich stark ausgebildet sind. In Abbildung 4 ist der Flugverlauf ( am Beispiel des Untersuchungsjahres 2004) an den 16 Rheinland-pfälzischen Fallenstandorten als Summenkurve des relativen Anteils am Gesamtfang je Fallenstandort dargestellt. Es zeigt sich, dass an den Fallenstandorten F10, F11, F12 (Forstamt Bitburg) und F15 (Forstamt Kaiserslautern) der Anteil der Frühschwärmer am größten ist. An diesen Fallenstandorten sind 50 % der Käfer bereits bis Ende März gefangen worden. Im Gegensatz dazu überwogen an den Fallenstandorten F2 (Forstamt Prüm), F4, F14 (Forstamt Hochwald), F7 und F16 (Forstamt Saarburg) die Spätschwärmer des Frühsommermaximums, 50 % der Fangzahl wurden an diesen Fallenstandorten erst Anfang Juni erzielt. An den übrigen 7 Fallenstandorten (Forstämter Hochwald, Prüm, Saarburg) waren die Anteile von Früh- und Spätschwärmern ausgeglichen. Der 50 %-Anteil an der Gesamtfangzahl wurde hier Mitte Mai erreicht.

Abb. 4: Flugverlauf 2004 an den Fallenstandorten F1 bis F16, dargestellt als Summenkurven des relativen Anteils an der Gesamtfangzahl je Fallenstandort