Die Buchenerkrankung auf Urgestein in den französischen Ardennen

Guy Landmann,
Abteilung Waldschutz Ministerium für Landwirtschaft und Wald

(Kurzfassung eines Vortrages anlässlich eines Symposiums zur Buchenkomplexkrankheit am 16. und 17. August 2001 in Prüm)

Die französischen Forstleute und die Waldschutzabteilung wurden im Jahr 2000 von den belgischen Forstleuten auf ein offensichtlich plötzlich eintretendes und weit verbreitetes Phänomen aufmerksam gemacht und konnten ab Juli 2000 im Urgesteinsgebiet der französischen Ardennen die typischen Symptome der Buchenerkrankung feststellen: Schleimfluß am Stamm, hauptsächlich nach Nordosten ausgerichtete streifenweise Nekrosen unter der Rinde, häufiger Befall holzbesiedelnder Insekten, Entwicklung verschiedener holzzerstörender Pilze und, weniger systematisch, Blattsymptome.

Der Stand der Kenntnisse und der Hypothesen kann wie folgt zusammengefasst werden:

- Obwohl die Felderhebungen noch unvollständig sind, und die Art der Symptome ihre Bewertung erschwert, scheint das Phänomen in seiner verschärften Ausprägung auf die Urgesteins-Ardennen begrenzt zu sein, wobei etwa 5.000 Fm im Jahr 2000 und 15.000 Fm im Jahr 2001 betroffen sind.

- Die gleichen Symptome wurden seit dem Frühjahr 2001 in den benachbarten Wuchsgebieten (Ardennen-Département, Nord-Lothringen) beobachtet, allerdings nur an geschwächten oder absterbenden Altbuchen. Die Schäden können auf etwa 2.000 Fm geschätzt werden.

- Erster punktueller Befall durch holzbrütende und rindenbrütende Borkenkäfer wurde in Lothringen in den Beständen gemeldet, die durch den Dezemberorkan 1999 und die nachfolgenden Nutzungen destabilisiert und in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die übrigen Symptome, nämlich Schleimfluß, Rindennekrosen oder holzzerstörende Pilze, treten in diesen Fällen nicht auf.

- In Analogie zu den an Obstbäumen beschriebenen Vorgängen und Symptomen, erscheint die Hypothese einer Primärschädigung durch den starken Frühfrost vom November 1998 glaubwürdig. Allerdings bleiben angesichts der sehr großen geographischen Erstreckung des Kälteeinbruchs die prädisponierenden Faktoren in den Ardennen (und in der Eifel) zu ermitteln.

- Die Nutzholzborkenkäfer (Xyloterus) und die Werftkäfer fanden offenbar außergewöhnlich günstige Entwicklungsbedingungen vor (wie es scheint ganz im Unterschied zu einer Buchenerkrankungsepisode, die zu Beginn der Jahre um 1990 vor allem im Vogesen-Departement um sich griff), scheinen wohl aber sekundär aufzutreten.

- Es hat nicht den Anschein, dass die Symptome aufweisenden Buchen in ihrer Mehrzahl in kurzer Frist absterben werden, wenngleich die Verwertbarkeit des Stammholzes – und damit der wirtschaftliche Wert – stark herabgesetzt wird. Dies lässt auf einen gewissen Spielraum bei der waldbaulichen Behandlung des Problems hoffen.

- Im Sinne einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung ist es wichtig, sich die Mittel zu verschaffen, um zum Verständnis zu kommen, wie augenscheinlich an ihre Lebensraumverhältnisse gut angepasste Bestände einer so unvermittelt starken Schädigung anheimfallen konnten.

Übersetzung: Georg Josef Wilhelm