Mykologische Aspekte der Buchenkomplexkrankheit

Berthold Metzler,
Forstliche Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg

(Kurzfassung eines Vortrages anlässlich eines Symposiums zur Buchenkomplexkrankheit am 16. und 17. August 2001 in Prüm)

Für das gesamte Schadgeschehen der Buchenrindennekrose spielt der Pilz Nectria coccinea die Rolle als Wegbereiter für noch gravierendere Folgeschäden, indem er große, meist streifenförmige Rindenpartien zum Absterben bringt. In der Regel beginnt die Krankheit in 4 bis 6 m Stammhöhe und reicht über mehrere Meter abwärts, erreicht jedoch den Wurzelanlauf nicht.

Obwohl der Pilz überall in Buchenwäldern vorkommt, vermag er nur unter bestimmten Bedingungen die Buchenrinde zu besiedeln und abzutöten. Unstrittig ist, dass die Buchenwollschildlaus ein disponierender Faktor für den Befall sein kann. Jedoch scheinen auch Witterungsfaktoren entweder allein oder in Kombination mit dem Insektenbefall für den Ausbruch der Krankheit verantwortlich zu sein. Jedenfalls ist aus der Stärke des Lausbefalls keine sichere Prognose für den Pilzbefall möglich. Auf den Befallsflächen in der Eifel war das Insekt zwar in den letzten Jahren vorhanden, jedoch nicht in auffallendem Ausmaß, so dass in den Schädlingsmeldungen der Forstämter in den letzten Jahren keine Häufung des Lausbefalls zu verzeichnen war. Andererseits ist die Buchenrindennekrose regelmäßig nach besonders trockenen oder heißen Sommern zu beobachten. Die Datierung der aktuellen Schäden weist an allen bisher untersuchten Bäumen auf das Jahr 1998 hin.

Als Folge des Rindensterbens kommt es oft zu Schleimfluss. Das Holz unter der abgestorbenen Rinde stirbt sektorenweise ab. Durch Sauerstoffzutritt oxidieren phenolische Verbindungen im Parenchym; es kommt zur Verthyllung der Tracheen im Holz. Wenn die Nekrosestreifen nur schmal sind (ca. < 5 cm), kann der Baum diese oft gesund überwallen. Zwar ist die Qualität des Nutzholzes damit gemindert, das Überleben des Baumes ist aber gesichert. Breitere Nekrosen werden regelmäßig weißfaul (bes. durch Zunderschwamm, Angebrannter Rauchporling) oder braunfaul (bes. durch den Rotrandigen Baumschwamm). Dies führt dazu, dass die betroffenen Bäume oft zwei bis drei Jahre nach Beginn der Krankheit trotz grüner Krone abbrechen.

Bohrkäfer und Laubnutzholzborkenkäfer verstärken gegenwärtig die beschriebenen Schäden gravierend. Die von diesen Insekten ins Holz eingeschleppten Pilze (u.a. Ambrosia- und Bläuepilze) sind jedoch gegenüber der Bohrtätigkeit der Insekten und den dann ohnehin hinzukommenden Luftembolien und Fäulnispilzen nicht so bedeutend.