Bucherkrankung in NRW

Mathias Niesar,
Landwirtschaftskammer Rheinland, Pflanzenschutzdienst Bonn

(Kurzfassung eines Vortrages anlässlich eines Symposiums zur Buchenkomplexkrankheit am 16. und 17. August 2001 in Prüm)

Im Sommer 2000 wurden aus den Hochlagen der Nordeifel, den Forstämtern Schleiden und Hürtgenwald (500-600 m über NN), aus dem Bergischen Land, Forstamt Wipperfürth (ca. 250 m über NN) und aus den mittleren und höheren Lagen des Südwestfälischen Berglandes, Forstämter Olpe, Schmallenberg und Hilchenbach verwelkende Buchen gemeldet. In 2000 ergaben Umfragen einen Schadholzanfall von ca. 4000 FM. Für 2001 wird mit weiteren 5000 FM Schadholz gerechnet. Betroffen waren und sind 60 bis 120-jährige Buchenbestände. Der Anteil geschädigter Buchen reicht von 2-4 abgestorbene Buchen/ha im Bergischen Land bis zu 70 % des Vorrates in Einzelbeständen des Hochsauerlandes.

Eine Symptomanalyse geschädigter Buchen im August 2000 ergab folgendes Bild:

· Bei 10 % der Buchen verwelkten partiell Kronenteile oder die ganze Krone im Laufe des Sommers. Auch die bereits für das nächste Jahr gebildeten Knospen waren vertrocknet.

· In 25 % der Fälle blätterte der Rinde, unterhalb der Krone beginnend bis in die Schattenkrone plätzeweise ab.

· Bei 22 % der Buchen befanden sich Spechtabschläge im Bereich der abblätternden Rinde.

· Bei 81 % der Buchen waren die weißen Bohrmehlhäufchen nur auf den nach Osten exponierten Stammpartien zu finden.

· Die Bohrmehlhäufchen traten am häufigsten bis in 2 m Höhe auf.

· 90 % der geschädigten Buchen waren herrschende oder vorherrschende Bäume.

Das Ergebnis einer im Landesteil Nordrhein durchgeführten Befragung der Waldbesitzer über verwelkende Buchen mit Laubnutzholzborkenkäferbefall, abblätternder Rinde und Spechtabschläge zeigte, dass Laubnutzholzborkenkäferbefall nur in Höhenlagen ab 270 m mit Schwerpunkten über 400 m NN vorkam. Bei den Standorten der Hauptschadensflächen handelte es sich um mäßig nährstoffversorgte und mäßig frische bis frische Schiefergebirgslehme, teils mit hydromorphem Ausprägungen in den Forstämtern Olpe und Hürtgenwald. Sekundärer Basidiomycetenbefall führte bis Ende des Jahres 2000 zu einer sehr schnellen Entwertung der befallenen Stämme mit nachgelagerten Vermarktungsproblemen, sogar für Brennholzsortimente.

In untersuchten Stammproben sind vor allem Laubnutzholzborkenkäfer (Xyloterus domesticus) und sägehörnige Werftkäfer (Hylecoetus dermestoides) gefunden worden. Entgegen ersten Meldungen konnte ein primärer Status dieser holzbesiedelnden Borkenkäfer in Untersuchungen aus 2001 nicht bestätigt werden. Im Kambialbereich konnte Nectria spe. und der eine intensive Weißfäule verursachende angebrannte Rauchporling (Bjerkandera adusta) und der echte Zunderschwamm (Fomes fomentarius) nachgewiesen werden. Als Krankheitsursache kann ein Zusammenspiel von vorausgegangenem, übersehenem Buchenwollschildlausbefall (Cryptococcus fagi) mit nachfolgender Besiedelung durch parasitische Pilze des Gattung Nectria und holzbrütender Käfer vermutet werden. Der Einfluss der Buchenvollmast im Jahr 2000 wird derzeit ebenso wie der Einfluss klimatischer Extreme als auslösender oder verstärkender Faktor im Kettengefüge der Buchenerkrankung geprüft