Stand der Buchenkrankheit in der wallonischen Region

Christophe Pankert, Forstamt Büllingen, Belgien

(Kurzfassung eines Vortrages anlässlich eines Symposiums zur Buchenkomplexkrankheit am 16. und 17. August 2001 in Prüm)

Seit etwa 2 Jahren sind die Waldeigentümer und Forstleute der Ardennen und der Gaume mit einer Buchenerkrankung konfrontiert, die aufgrund ihres anscheinend plötzlichen Auftretens, ihrer geographischen Ausdehnung und wegen des schnellen Krankheitsverlaufes bereits jetzt eine Dimension erreicht hat, für die es in Belgien bisher kein vergleichbares Beispiel gibt.

1999 und 2000 wiesen die geschädigten Buchen Krankheitssymptome wie Schleimfluss, abplatzende Rindenpartien, schüttere Belaubung und absterbende Kronenteile auf. An den erkrankten Buchen wurde zudem Befall mit Nutzholzborkenkäfern und holzzersetzenden Pilzen festgestellt.

Im Herbst/Winter 2000/01 wurden in der wallonischen Region im Rahmen von Sanitärhieben insgesamt 250.000 Festmeter Stamm- und Kronenholz eingeschlagen und aus dem Wald entfernt. Man erhoffte sich von dieser Maßnahme eine deutliche Reduktion neuer Schädigungen für das darauffolgende Jahr.

Seit April 2001 wird jedoch massiver Stehendbefall mit Nutzholzborkenkäfern (Trypodendron domesticus und signatus) festgestellt, während die typischen Krankheitssymptome des Vorjahres und besonders der Befall mit Pilzen weniger häufig beobachtet werden. In den am stärksten betroffenen Forstämtern weisen bis zu 70% der Buchen Käferbefall auf.

Eine Reihe von Wissenschaftlern der Universitäten Gembloux und Brüssel, sowie der agronomischen Forschungsanstalt Gembloux wurden mit der Erforschung der Ursachen und der Entwicklung von Bekämpfungs- bzw. Handlungsstrategien beauftragt. Die Experten konzentrieren ihre Untersuchungen derzeit auf die Frage, inwieweit die Nutzholzborkenkäfer als Primärschädlinge wirken und das Absterben der Buchen herbeiführen können.

Einer aktuellen Schätzung zufolge, sollen mittlerweile insgesamt rund 1 Million Festmeter durch die Buchenkrankheit ganz oder teilweise entwertet sein. Dies entspricht etwa 13% des Vorrates der wallonischen Buchenwälder.

Angesichts dieses Schadensausmaßes und der befürchteten ökologischen Folgeschäden hat das Ministerium der wallonischen Region folgenden Maßnahmenplan beschlossen :

- Schutz und Förderung der Verjüngung der Buchenbestände. Sanitärhiebe sind auf die am stärksten erkrankten Bäume zu beschränken, damit Holzernteschäden an Waldboden und Verjüngung weitestgehend vermieden werden.

- Sicherung der Verkehrs- und Wanderwege durch Aushieb der Buchen, die Pilzbefall aufweisen.

- Verkauf von wertvollen Bäumen, die Käferbefall aufweisen, um eine weitere Wertminderung zu vermeiden.

- Verzicht auf Einschlag von gesunden Buchen.

- Beseitigung einer möglichst großen Anzahl von holzschädigenden Insekten mittels Fangbäume, bzw. durch spezielle Käferfallen – dies besonders ab dem Frühjahr 2002.

- Weiterführung der Forschung und Verstärkung des Expertenstabes. Zusammenarbeit mit den europäischen
Nachbarländern.

Zur Durchführung der genannten Maßnahmen stellt das Ministerium der wallonischen Region Fördermittel zur Verfügung. Aufgrund der sich bereits jetzt schon abzeichnenden großen wirtschaftlichen Einbußen, wird darüber verhandelt, die Waldeigentümer wie im Falle der Orkanschäden von 1990 über den nationalen Kalamitätsfond zu entschädigen.