Buchensterben in Luxemburg

Fernand Theisen, Luxemburger Forstverwaltung, Forstamt Wiltz.

(Kurzfassung eines Vortrages anlässlich eines Symposiums zur Buchenkomplexkrankheit am 16. und 17. August 2001 in Prüm)

1) Historischer Überblick und Beschreibung des Befalls

1.1. Beobachtung der Schäden im Jahre 2000

Seit Mitte des letzten Jahres weisen manche Buchenbestände im Ösling aussergewöhhnliche biotische Schäden auf. Die Symptome sind vergleichbar mit denen in den belgischen Ardennen, welche dort aber bereits im Herbst 1999 erstmals aufgetreten sind. In Luxemburg wurden die ersten Schäden im Juli 2000 im Forstrevier Perlé nahe der belgischen Grenze festgestellt.

Die Schäden wurden hauptsächlich auf den Plateaulagen und in seichten Mulden über 400 m gesichtet. Die befallenen Bäume waren teils über den ganzen Bestand verteilt, standen teils aber auch gruppweise gehäuft. Auffallend war, daß die betroffenen Bäume alle auf der nordöstlichen Seite stark verborkt waren. Diese Borke war üppig mit Moos bewachsen welches mit einer schwarzen ausgehärteten Masse überzogen war. Das darunterliegende Moos war abgestorben. Zu diesen Zeitpunkt wiesen nur wenige Bäume Käfer- respektiv Pilzbefall auf. Bei einigen Bäumen konnte jedoch eine Rindenablösung im oberen Stammbereich festgestellt werden. Von August bis in den Spätherbst hinein konnte in den gleichen Beständen dann ein massiver Käfer- und Pilzbefall beobachtet werden.

Bei den Pilzen handelte es sich unter anderem um Braun- und Weissfäulepilze (Fomes fomentarius etc). Am geschlagenen Holz konnten sowohl Laubnutzholzborkenkäfer Trypodendron domesticum und Trypodendron signatum als auch der sägehörniger Werftkäfer (Hylocoetus dermestoïdes) beobachtet werden.

1.2. Beobachtung der Schäden im Jahre 2001

Seit dem Frühjahr konnte ein erneuter massiver Käferbefall festgestellt werden. Dieser Befall unterscheidet sich von dem vorjährigen in der Art daß die befallenen Bäume äußerlich gesund erschienen und eine sehr vitale Krone aufwiesen. Allerdings waren alle befallenen Bäume stark mit Moos bewachsen, welches meist abgestorben war. Der Befall ist jetzt stammumfassend und dies ab 1 m Stammhöhe.

Ein erneuter Käferbefall konnte im Juli festgestellt werden. (braunes Bohrmehl am Stamm).

Was das Krankheitsbild anbelangt, können momentan folgende Symptome festgehalten werden:

· Auftreten von Bohrmehl auf der Rinde
· Auftreten von Pilzfruchtkörpern
· Abfallende Rinde im oberen Stammbereich
· Frisch abgestorbene Klebäste im unteren Stammbereich
· Abgestorbenes Moos welches mit einer in der Regel ausgehärteten schwarzen Masse überzogen ist.

2) Ausmaß der Schäden

Nach dem erneuten Käferbefall im Frühjahr 2001 wurde im April eine grobe Feldstudie eingeleitet um die geographische Verbreitung der Krankheit im Ösling zu ermitteln. Laut dieser Studie und auf Berufung der anderen Forstämter in Luxemburg kann man behaupten, daß alle Buchenbestände entlang der belgischen Grenze die verschiedenen Krankheitssymptome aufweisen. Die betroffene Fläche erstreckt sich bis zu 15 km ins Landesinnere.

Wenn im Süden des Landes der Befall momentan als gering eingeschätzt wird (± 1 °/oo) so ist das Ausmaß der Schäden im Ösling teilweise als bedenklich einzustufen. Man muß davon ausgehen daß kleinere Bestände (<2ha) total zusammenbrechen.

Genaue Meßdaten konnten allerdings bis jetzt nicht ermittelt werden.

3) Forstliche Maßnahmen

Laut einer Unterredung mit dem Umweltministerium wurden folgende Maßnahmen festgehalten:

1) Einrichten eines Monitoring um das genaue Ausmaß der Schäden zu ermitteln und der Verlauf der Krankheit und seine eventuelle weitere Ausbreitung zu beobachten. Zu diesem Zweck wird wahrscheinlich auch Kontakt zu ausländischen Forschungsanstalten aufgenommen.

2) Im öffentlichen Wald werden die befallenen Bäume, welche sich an öffentlichen Straßen und Wegen befinden, geschlagen. (Bandbreite: 20-30 m) Diese Schläge werden wegen der Gefahr des Pilzbefalls schon im August durchgeführt.

3) Es werden zu diesem Zeitpunkt keine speziellen Sanitätshiebe innerhalb der Bestände durchgeführt und keine chemische Mittel eingesetzt um eine eventuelle weiter Ausbreitung der Krankheit abzubremsen.

4) Aufklärung der Öffentlichkeit und der Privatwaldbesitzer

5) In schwerbetroffenen Waldungen sollten Hinweisschilder die Waldbesucher auf die Gefahren aufmerksam machen. (Abruch der Kronen von pilzbefallenen Bäumen).

6) Eventuelle staatliche Hilfen für den Eigentümer beim Wiederaufbau der betroffenen Bestände.