Untersuchungen zum Bruterfolg des Laubnutzholzborkenkäfers Trypodendron domesticum an Buchen ohne erkennbare Vorschädigung

Im Rahmen einer Vorstudie wurde im Winter 2001/2002 an sechs befallenen Bäumen der Bruterfolg des Laubnutzholzborkenkäfers Trypodendron domesticum untersucht. Dazu wurden befallene Stammbereiche eingeschnitten und entlang der Brutgänge aufgeschlagen. Mit diesem Verfahren können Aussagen zum Verlauf der Brutsysteme, sowie durch den Vergleich von angelegten Einischen und vollständig ausgebildeten Larvengängen Aussagen zum Bruterfolg getroffen werden.

Brutsystem
Das Brutsystem von Trypodendron domesticum beginnt typischerweise mit einer 1,5 bis 2 cm (max. 4 cm) langen, radial verlaufenden Eingangsröhre, die sich dann in die eigentlichen Muttergänge aufgabelt. Die Muttergänge sind von der Eingangsröhre durch die in Faserrichtung angelegten Einischen respektive Larvengänge zu unterscheiden (s. Bild 1) Die Zahl der Muttergänge eines Brutsystems schwankt zwischen eins und fünf, am häufigsten werden zwei Muttergänge angelegt. Die Muttergänge verlaufen nahezu parallel in einem Abstand von weniger als 1 cm ebenfalls nahezu radial. Allerdings finden sich auch Muttergänge, die mehr oder weniger an den Jahrringgrenzen orientiert zu sein scheinen und entsprechend flacher verlaufen. Die Richtung der Muttergänge ist überaus variabel, so dass auch stark kurvige Gänge entstehen können. In der Regel verzweigen sich die Muttergänge nicht mehr, allerdings kann auch dieses in Einzelfällen beobachtet werden. Bei starkem Befall entsteht auf diese Weise ein sehr diffuses Befallsbild. Die Brutsysteme können eine Länge von über 10 cm erreichen. Bereits direkt im Anschluss an die Eingangsröhre finden sich in den Muttergängen über eine Strecke von 4 bis 5 cm in einem Abstand von wenigen Millimetern sehr regelmäßig angelegte Einischen bzw. Larvengänge. Während die Einischen als kleine Einbuchtungen der Gangwände erscheinen, sind die Larvengänge mit einer Länge von ca. 5 mm und einer Breite von 1,2 bis 1,5 mm deutlich erkennbar. Muttergang und Larvengänge erinnern an eine einholmige Leiter, wobei der Muttergang den Holm und die Larvengänge die Leitersprossen repräsentieren. Im weiteren Verlauf der Muttergänge sind die Einischen bzw. Larvengänge unregelmäßiger und in größerem Abstand von einander angeordnet und enden in einem ca. 1,5 cm langen Bereich ohne Einischen bzw. Larvengänge.

Bruterfolg
Der Bruterfolg von Trypodendron domesticum in Buchen ohne erkennbare Vorschädigung wurde durch Brutbildanalysen an sechs Bäumen überprüft. Dazu wurde jeweils die Zahl der Einischen, der begonnenen Larvengänge und der vollständigen ausgebildeten Larvengänge pro cm Mutterganglänge sowie die Zahl der lebenden Jungkäfer in den einzelnen Systemen ermittelt. Parasitierte oder verpilzte Käfer wurden als begonnene Larvengänge gewertet, da die Entwicklung zum geschlechtsreifen Tier nicht abgeschlossen werden konnte.
Die Natalität der Altkäfer wurde berechnet als Summe der Einischen und Larvengänge je cm Muttergang, da sie der Zahl der abgelegten Eier entspricht. Das Verhältnis von Natalität zur Anzahl der vollständigen Larvengänge, in denen sich lebende Jungkäfer befanden bzw. deren Ausprägung auf eine erfolgreich abgeschlossene Larvalentwicklung schließen ließ, wurde als Mortalität der Nachkommenschaft definiert. Die Zahl der in den Brutsystemen vorgefundenen Jungkäfer in Relation zur Zahl der vollständigen Larvengänge diente zur Abschätzung der migrierten Jungkäfer, die vermutlich außerhalb der Brutsysteme überwintern.
In Tabelle A sind die Ergebnisse der Brutbildanalysen für die verschiedenen Probestämme aufgeführt.

 
Baumnr.
1
2
3
4
5
6
Natalität [Anzahl Einischen + Larvengänge / cm]
4,1
5,4
1,9
4,7
5,0
3,4
Vollständige Larvengänge [Anzahl / cm]
2,8
1,8
0,1
1,0
3,1
1,7
Jungkäfer innerhalb der Brutsysteme [%]
63,0
89,6
24,0
96,7
99,5
95,6
Mortalität [%]
47,1
66,6
93,8
79,6
38,4
49,2

Tab. A: Kenndaten zum Bruterfolg von Trypodendron domesticum in sechs Buchen ohne erkennbare Vorschädigung.

Die höchsten Werte für die Natalität finden sich in den Stämmen 2, 5 und 4; mit 5,4, 5,0 bzw. 4,7 abgelegten Eiern je cm Muttergang sind die Werte nahezu gleich hoch. Allerdings ist der Bruterfolg in den Stämmen 2 und 4 bei einer Mortalität von 66,6 bzw. 79,6 % deutlich geringer als im Stamm 5, in dem die Mortalität der Nachkommenschaft sich auf 38,4 % beschränkt. Die Zahl der vollständigen Larvengänge je cm Muttergang, die per Definition der Gesamtzahl lebender Jungkäfer je cm Muttergang entspricht, beträgt in den Stämmen 2 und 4 daher nur 1,8 bzw. 1,0 gegenüber 3,1 in Stamm 5. Trotz niedriger Natalität (4,1) und höherer Mortalität (47,1 %) ist der Bruterfolg in Stamm 1 mit 2,8 vollständigen Larvengängen je cm Muttergang mit dem in Stamm 5 vergleichbar. Der Bruterfolg in Stamm 6 entspricht mit 1,7 vollständigen Larvengängen je cm Muttergang dem in Stamm 2.
Die niedrigste Natalität und gleichzeitig höchste Mortalität wurde in der stark weißfaulen Buche 3 beobachtet. Die deutliche Mehrzahl der Brutsysteme war durch die Weißfäulepilze regelrecht zugewachsen worden, so dass feste Mycelstücke in der Form des jeweiligen Brutsystems herausgelöst werden konnten. Gleichzeitig wurden in den Brutsystemen dieses Stammes nur 24 % der Jungkäfer vorgefunden. Aus dieser sehr niedrigen Zahl kann möglicherweise auf ein aktives Fluchtverhalten der ansonsten eher trägen Jungkäfer bei Gefahr geschlossen werden.
Die Zahl der Jungkäfer, die innerhalb der Brutsysteme angetroffen wurden, schwankte zwischen 24 % und 99,5 %. Inwieweit Jungkäfer, die im Spätsommer bzw. Herbst die Brutsysteme verlassen, zur Überwinterung in diese zurückkehren ist unbekannt. Das einige Tiere die Brutsysteme tatsächlich vor der Überwinterung verlassen, konnte auch durch die Beobachtung von auf der Rinde wandernden Trypodendron domesticum - Jungkäfern an einem sonnigen Tag im Oktober (10.10.2001) bestätigt werden.

Die Ergebnisse dieser detaillierten Analysen belegen, dass Trypodendron domesticum stehende Buchen ohne erkennbare Vorschädigung besiedeln und sich die Brut erfolgreich entwickeln kann.